Ganzheitsmedizin

Nutzen der Ganzheitsmedizin

Ganzheitsmedizin verbindet Heilung und Vorsorge. Das nützt Patientinnen und Patienten – und kann das Gesundheitssystem entlasten.

Gesundheitlicher Nutzen

Seit Jahrhunderten werden Heilverfahren der „Erfahrungsmedizin" von Ärztinnen und Ärzten erfolgreich eingesetzt. Viele klinische Studien belegen die Wirksamkeit komplementärer Methoden nach den höchsten Standards der „Evidence Based Medicine”. Auch das Einsparungspotential für das Gesundheitssystem und der volkswirtschaftliche Nutzen werden zunehmend wissenschaftlich dokumentiert:

Ganzheitsmedizinische Methoden sind in der regel gut verträglich und nebenwirkungsarm. Ziel einer Behandlung ist die Heilung einer Krankheit und nicht das Bekämpfen von Symptomen. Dies wird an einem Beispiel deutlich. Ein Patient, der womöglich schon länger unter Kopfschmerzen leidet, kann mit einem Schmerzmittel eben nicht geheilt werden.
Das Symptom „Schmerz” wird durch das Schmerzmittel lediglich vorübergehend betäubt. Trotzdem wird den meisten Kopfschmerzpatienten nur ein Schmerzmittel als Therapie angeboten.
Heilung bedeutet in diesem Zusammenhang, das Auftreten der Kopfschmerzen möglichst nebenwirkungsarm z. B. mittels Akupunktur, Phytotherapie, Homöopathie oder Neuraltherapie und vielleicht dem Erlernen eines Entspannungstrainings zu verhindern und, dass dieser Zustand auch nach Abschluss der Therapie erhalten bleibt.

Volkswirtschaftlicher Nutzen

Weniger Spitalsaufenthalte, geringere Medikamentenkosten und eine längere Erwerbsfähigkeit bringen soziale und ökonomische Vorteile – für die Betroffenen, für Unternehmen und für die Volkswirtschaft.

Das Interesse der Bevölkerung und der Druck im Gesundheitswesen rücken Nutzen und Kosteneffizienz ganzheitlicher Versorgung auch für die öffentliche Hand, Sozialversicherungsträger und private Versicherungen ins Blickfeld.

Belege

  • Eine Analyse einer niederländischen Versicherung evaluierte im Zeitraum 2006 - 2009 die Kosten zusätzlich komplementärmedizinisch behandelter Patientinnen und Patienten.
    Die Analyse kam zu dem Ergebnis, dass bei Patientinnen und Patienten, die von Hausärzt mit einer Zusatzausbildung in Homöopathie, Anthroposophie oder Akupunktur behandelt wurden, eine Kostenersparnis von 7 % festgestellt wurde. Diese Einsparungen wurden insbesondere auf weniger Spitalsaufenthalte und geringere Medikamentenkosten zurückgeführt.

Klinische Studien belegen die Wirksamkeit komplementärer Methoden – besonders dort, wo die konventionelle Medizin an Grenzen stößt: bei chronischen und komplexen Erkrankungen, bei Schmerz, Angst, Stress und Depression sowie in der Palliativversorgung:

  • Die Bedeutung der Komplementärmedizin für das „National Health Service" von Großbritannien wurde 2005 untersucht.
    Die Studie zeigte, dass komplementäre Behandlungsmethoden insbesondere bei Erkrankungen eingesetzt werden können, bei denen mit konventionellen medizinischen Therapien nicht immer zufriedenstellende Behandlungserfolge erzielt werden. Dazu zählen unter anderem chronische und komplexe Erkrankungen, Angst, Stress und Depressionen sowie Anwendungsbereiche in der Palliativmedizin und Schmerztherapie.
    Darüber hinaus weist die Studie auf ein erhebliches Einsparungspotenzial hin: Durch eine breitere Anwendung komplementärmedizinischer Verfahren könnten die Arztkosten um bis zu 30 % und die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente um bis zu 50 % reduziert werden.


Quellenverzeichnis

1) Kooreman P. Baars EW: Patients whose GP knows complementary medicine tend to have lower costs and live longer. Eur J Health Econ 2011 Jun 22.

2) Smallwood C: The Role of Complementary and Alternative Medicine in the NHS. An Investigation into the Potential Contribution of Mainstream Complementary Therapies to Healthcare in the UK (2005).

www.getwelluk.com/uploadedFiles/Publications/SmallwoodReport.pdf

Der Wunsch der Bevölkerung im deutschsprachigen Raum

Dr. Michalsen von der Charité Berlin: „In Deutschland ist die akademische Situation im Bereich der integrativen Medizin inzwischen gut etabliert. Derzeit gibt es insgesamt zehn Professuren auf diesem Gebiet – es ist also längst kein Nischenfach mehr. Das wachsende akademische Interesse spiegelt auch die große Nachfrage in der Bevölkerung wider. Seit rund 40 bis 50 Jahren besteht in Deutschland ein kontinuierlich hohes Interesse an Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Eine aktuelle repräsentative Umfrage mit mehreren tausend Teilnehmern hat gezeigt, dass etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung im Krankheitsfall auch mit Methoden der Naturheilkunde behandelt werden möchte – und dies auch tatsächlich tut.“

Ebenso zeigt eine Karmasin Studie in Österreich, dass komplementärmedizinische Behandlungsmethoden in Österreich auf eine überwiegend positive Einstellung stoßen. Rund zwei Drittel der Österreicher stehen ihnen positiv gegenüber, 46 % haben bereits Erfahrungen damit gemacht und die meisten davon waren mit der Behandlung zufrieden.
Gleichzeitig wünschen sich die Österreicher eine persönlichere und zeitintensivere Betreuung durch Ärzte sowie eine stärkere Einbindung pflanzlicher Heilmethoden.
Besonders deutlich wird der Wunsch nach mehr ärztlicher Zuwendung: 81 % wünschen sich, dass Ärzte stärker auf Patienten eingehen, und 78 % wünschen sich mehr Zeit für die Patienten.

Auch die WHO verfolgt eine Strategie für die traditionelle, komplementäre und integrative Medizin (TCIM) für die Jahre 2025–2034 mit dem Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu sicheren, wirksamen und patientenzentrierten Behandlungsmethoden zu ermöglichen. Dabei soll TCIM auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, unter Berücksichtigung kultureller Besonderheiten und nachhaltig in bestehende Gesundheitssysteme integriert werden. Die vier zentralen Ziele sind die Stärkung der wissenschaftlichen Evidenz, die Sicherstellung von Qualität und Sicherheit durch geeignete Regulierung, die Integration wirksamer Methoden in Gesundheitssysteme sowie die Stärkung von Gemeinden und die nachhaltige Nutzung von Ressourcen. Besonderes Augenmerk legt die WHO auf Patientenzentrierung, Gesundheitsgerechtigkeit, den Schutz traditionellen Wissens und die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen.

Quellenverzeichnis

1) Dr. Michalsen, Die Medizin der Zukunft verbindet das Beste aus zwei Welten aus Vortrag aus dem Online Symposium: Die Wissenschaft in der Medizin Evidence-Based und ganzheitliche Medizin https://ganzheitsmedizin.my-ablefy.com/s/ganzheitsmedizin/die-wissenschaft-in-der-medizin
2) https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20111024_OTS0171/aufgeschlossenes-oesterreich-zwei-drittel-vertrauen-komplementaermedizin
3) https://www.who.int/health-topics/traditional-complementary-and-integrative-medicine#tab=tab_3

Diese Bemühungen der WHO werden in Österreich weder von den Institutionen unseres Gesundheitssystems noch von unseren politischen Verantwortlichen ausreichend wahrgenommen. Sämtliche komplementärmedizinischen Vorlesungen, Lehrveranstaltungen und Masterlehrgänge an öffentlichen Universitäten sowie an den meisten Fachhochschulen wurden eingestellt. Lediglich die Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) bietet im Rahmen des Medizinstudiums noch einen komplementärmedizinischen Lehrgang an. Auch diplomierte Angehörige der Pflege- und Gesundheitsberufe, die zunehmend Interesse an dieser Richtung zeigen, haben in Österreich nur wenige Möglichkeiten, ihr Wissen im Sinne einer evidenzbasierten Ganzheitsmedizin zu erweitern.

Viele weitere Argumente sprechen für eine stärkere Verankerung der Ganzheitsmedizin in Österreich: Der Wunsch der Patientinnen und Patienten ist klar belegt, evidenzbasierte ganzheitsmedizinische Verfahren sind in der Regel gut verträglich, und Studien weisen auf ein beachtliches volkswirtschaftliches Einsparungspotenzial hin.

Die GAMED setzt sich daher für einen offenen, sachlichen Dialog mit Universitäten, Ärztekammer, Gesundheitspolitik und allen Gesundheitsberufen ein – mit dem Ziel, dass die evidenzbasierte Ganzheitsmedizin im Sinne der WHO-Strategie auch in Österreich ihren festen Platz in der Ausbildung, Forschung und Versorgung findet.