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Erfahrungsheilkunde

Die Erfahrungsheilkunde umfasst eine große und in qualitativer Hinsicht sehr heterogene Reihe von Techniken, zu denen eine Vielzahl individueller Diagnose- und Therapieverfahren sowie systematische und umfassende Konzepte von Gesundheit und Krankheit gehören. Je nach Bedeutungsnuancierung wird sie auch als „Komplementärmedizin“, „alternative Medizin“, „praktische Medizin“, „Naturheilkunde“, „biologische Medizin“ usw. bezeichnet. Allen diesen Bezeichnungen ist gemeinsam, daß sie von der konventionellen Medizin ausgeschlossen und in der universitären Lehre und Forschung nur in geringem Maße vertreten sind.

Zahlreiche erfahrungsmedizinische Verfahren weisen Nosologien und Taxonomien auf, die von denen der konventionellen Medizin beträchtlich abweichen können. Einige dieser Verfahren haben sich innerhalb traditioneller örtlicher Volksmedizin entwickelt oder sind fest im kulturellen Kontext einiger ethnischer Gruppen vergangener Zeiten oder entfernter Gegenden verwurzelt. Die Erfahrungsheilkunde arbeitet zum Teil mit vornaturwissenschaftlichen Prinzipien (etwa dem Simileprinzip der Homöopathie). Die daraus abgeleiteten Begriffe beziehen ihre Berechtigung aus der Schwierigkeit, komplexe Vorgänge durch linear kausalanalytische Schemata zu erfassen. So haben gerade die Medizinsysteme des asiatischen Kulturkreises die Beschreibung komplexer Abläufe in ihre Modelle miteinbezogen.

Für Erfahrungsheilkunde ist wesentlich, daß der aus der Alltagspraxis gewonnene Erfahrungsbericht im Zentrum steht. Große Teile der Volksmedizinen – in unseren Breiten etaa die Kräutermedizin und die Hausmittel – sind Erfahrungsheilkunde und bis zur Entwicklung moderner, industriell gefertigter Heilmittel waren die erfahrtungsheilkundlichen teile der medizin für jeden Arzt geläufig, weil oft das Einzige, das zur Verfügung stand. So sind erfahrungsheilkundliche Schulen oft auch die Hüter von medizinsichem Wissen, das an den Universitäten verloren gehen würde.

Die Wirkungsweisen von Erfahrungsheilkunde entzieht sich sehr oft kausalanalytischen Erklärungsmodellen. Das darf jedoch nicht davon ablenken, daß die entwickelten Modelle dennoch beachtliche Komplexität und Reichtum an Erfahrung besitzen (als Beispiel mag das über Jahrhunderte tradierte Wissen der tibetischen Medizin dienen). Gleichzeitig besitzen die aus der Erfahrung entwickelten Methoden im Kontext der linear kausalanalytischen Medizin oft nur geringe Wirk- und Erklärungskraft.

Die Zeitschrift Erfahrungsheilkunde erscheint monatlich und ist neben der Publikation von wissenschaftlichen Arbeiten auch das offizielle Organ folgender Verbände:
– Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V.
– Hufelandgesellschaft für Gesamtmedizin
– Europäische Vereinigung der Ärzteverbände der besonderen Therapierichrtungen (ECPM), Brüssel