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03. February 2026

Kurmedizin | Kongress

Ganzheitliche Kurmedizin – Gesundheit für die Zukunft
Kongress Bericht

Bericht über die wissenschaftlichen Kongress „Ganzheitliche Kurmedizin – Gesundheit für die Zukunft"
Eine gemeinsame Veranstaltung der GAMED, der VBK, des Deutschen Bäderverbandes und des ÖHKV am 21. und 22.11.2025 in Wien.
 

Unter dem Titel „Ganzheitliche Kurmedizin – Gesundheit für die Zukunft“ fand Ende November in Wien eine internationale wissenschaftliche Veranstaltung statt, bei der verschiedene Aspekte der Kurmedizin diskutiert wurden.
Die Kurmedizin wird von der konventionellen klinischen Medizin nicht selten als eine Art von Medizin betrachtet für deren Wirkungsmechanismen und therapeutische Effekte wissenschaftliche Nachweise nicht vorhanden seien. Eine der Intentionen der Veranstaltung war es zu zeigen, dass die Kurmedizin sowohl eine wissenschaftliche Basis als auch einen praktisch relevanten klinischen Hintergrund aufweist. Im Zusammenhang damit kann auch darauf hingewiesen werden, dass die Einstellung der Bevölkerung zur Kurmedizin nach wie vor positiv ist, weswegen eine aktuelle Auseinandersetzung mit den wissenschaftlich gesicherten Grundlagen der Balneologie auch aus der Sicht des Gesundheitswesens sinnvoll und notwendig erscheint. 
Eine detaillierte Erörterung des Inhalts der insgesamt 15 Vorträge würde den Rahmen dieses Berichts bei Weitem sprengen, weswegen nachfolgend die wesentlichen Aussagen der Referate zusammengefasst dargestellt werden. Dazu werden die einzelnen Vorträge drei thematischen Gruppen zugeteilt:

  • Grundlagen – Wissenschaft
  • Klinische Themen
  • Heilvorkommen – Kurmittel.
  • Grundlagen - Wissenschaft

Im Zusammenhang mit der Frage der wissenschaftlichen Fundierung der Kurmedizin muss darauf hingewiesen werden, dass eine solche Fundierung nachweislich vorhanden ist, wie dies die nachfolgende Aufstellung zeigt.

  • Wissenschaftliche Grundlagen der Kurmedizin
  • Medizinische Wissenschaft
  • Psychologie
  • Sozialwissenschaften
  • Technik
  • Physik
  • Chemie
  • Geologie besonders Hydrogeologie
  • Rechtswissenschaften 
  • etc.

Eine Besonderheit der Kurmedizin ist die Zeitabhängigkeit der Effekte, für deren Verständnis u.a. Kenntnisse auf dem Gebiet der Adaptationsphysiologie notwendig sind. Daraus ergibt sich auch, dass für eine wissenschaftliche Fundierung der Kurwirkung die herkömmlichen statischen Methoden der klinischen Medizin keine optimale Lösung bieten. Ein Beitrag bei der wissenschaftlichen Veranstaltung befasste sich daher mit der Darstellung nichtinvasiver kontinuierlicher Messverfahren, die in bestimmten Bereichen des Gesundheitswesens eine wesentliche Rolle spielen. 

In der konventionellen klinischen Medizin spielt bekanntlich der Begriff der Evidenz eine erhebliche Rolle. Es kann allerdings in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, dass dieser Begriff nachweislich von seiner ursprünglichen Definition, die auch die ärztliche Empirie und den Willen des Patienten umfasste, auf einen naturwissenschaftlichen Nachweis – im Bereich der Medizin, besonders der Pharmakotherapie, auf den kontrollierten Doppelblindversuch reduziert wurde.
Es bedarf keiner besonderen Begründung, dass eine solche Art des wissenschaftlichen Wirkungsnachweises sich keineswegs für die Beurteilung eines komplexen Verfahrens eignet, bei dem gleichzeitig verschiedene gesundheitsförderliche Interventionen über einen definierten Zeitraum eigesetzt werden. In einem der Referate wurde eine Gegenüberstellung der Begriffe „evidence-based“ vs. „value based“ diskutiert. Es geht dabei um die Bewertung des individuellen Nutzens gegenüber dem volkswirtschaftlichen Nutzen der kurörtlichen Balneologie als eine mögliche Basis für die Bedeutung der Kurmedizin im Gesundheitswesen. 

Die konventionelle klinische Medizin ist pathogenetisch orientiert. Im Bereich der Kurmedizin existiert bekanntlich seit einigen Jahren ein gesundheitsdienliches Angebot mit der Bezeichnung „Gesundheitsvorsorge Aktiv“ (GVA) das von den Menschen sehr gerne angenommen wird. Bei diesem Angebot steht nicht die Pathogenese, sondern die Salutogenese im Vordergrund. Dieses gesundheitsförderliche Angebot der Kurorte bzw. Kurbetriebe kann nicht aus der Sicht der Pathogenese betrachtet werden, sondern folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten die im Zusammenhang mit den verschiedenen Faktoren der Gesundheit stehen. 

Klinische Themen
Balneo- und Klimatherapie können neben der Mechano-, Elektro-, Thermo- und Phototherapie als Grundpfeiler der physikalisch-medizinischen Therapien klassifiziert werden. Eine Besonderheit der Balneo- und Klimatherapie im Vergleich zu den Methoden der physikalischen Medizin stellt allerdings die Ortsgebundenheit des Heilvorkommens dar, die Grundlage und Identifikationsmerkmal der balneomedizinischen Kur ist. 
In den verschiedenen Vorträgen mit klinischen Themen wurde gezeigt, dass Balneotherapie sowohl eine klinisch-medizinische als auch eine sozioökonomische Relevanz haben kann. Diese Aussage betrifft besonders Arthrosen und Kreuzschmerzen zu, wo wissenschaftlich fundiert eine Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung erzielt werden kann, die mit einer Funktionsverbesserung und einer Steigerung der Lebensqualität einhergeht.

Eine effiziente Methode zur Behandlung von chronischen Schmerzen ist die therapeutische Hyperthermie. Gut dokumentiert sind therapeutische Effekte bei M. Bechterew und bei Fibromyalgie. Hypertherme Verfahren können einerseits im Rahmen einer Kur als zusatztherapeutische Behandlungen qualifiziert werden, wobei natürliche ortsgebundene Heilmittel nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Eine Ausnahme davon ist allerdings die kurmäßige Anwendung von Peloiden organischer Herkunft. Im Vordergrund dabei stehen die thermophysikalischen Eigenschaften von Torf. In den letzten Jahren wird allerdings auch zunehmend den chemischen Inhaltsstoffen der Heiltorfe Beachtung geschenkt, woraus sich möglicherweise neue Gesichtspunkte zur Wirksamkeit und den therapeutischen Einsatzbereichen ergeben. 


Interdisziplinäre therapeutische Ansätze im Rahmen der Kurmedizin unter Einbeziehung von Bewegung, physikalischer Therapie serieller thermaler Anwendungen etc. haben sich auch bei Sarkopenie und sarkopener Adipositas bewährt. 
Ein völlig neuer Einsatzbereich der Kurmedizin hat sich im Zusammenhang mit dem so genannten „Long-Covid-Syndrom“ ergeben. Bekanntlich handelt es sich dabei um einen protrahierten Verlauf einer Covid-Infektion, wobei ähnliche Symptome auch nach Impfungen auftreten können. Es handelt sich dabei um kein einheitliches Krankheitsbild, sondern um eine Mehrzahl von verschiedenen Symptomen und Beschwerden. Eine kausale Therapie ist nicht möglich, im Rahmen von Kuraufenthalten konnten aber Verbesserungen der Symptomatik und des Befindens nachgewiesen werden. 


Heilvorkommen – Kurmittel
Die Basis der Balneotherapie ist die iterative Anwendung eines ortsgebundenen natürlichen Heilvorkommens, wie Heilwässer, Peloide und Heilfaktoren wie z.B. Klima, Höhe, etc. Die Qualifikation eines ortsgebundenen natürlichen Heilvorkommens beruht einerseits auf wissenschaftlichen Grundlagen und andererseits auf einer gesetzlichen Basis. In Österreich ist die gesetzliche Anerkennung der Heilvorkommen seit dem Jahr 2002 auf der Basis von Landesgesetzen geregelt.  

Im Zusammenhang mit den Fortschritten der Bohrtechnik und der Hydrogeologie ergeben sich für die aus großen Tiefen stammenden Thermalwässer bestimmte Besonderheiten sowohl aus balneomedizinischer Sicht als auch aus anderen Blickwinkeln. Die balneomedizinische Sicht bezieht sich u.a. darauf, dass bei den aus großen Tiefen stammenden Thermalwässern für ihre Anwendung beim Menschen sowohl aus chemischer als auch aus thermischer Sicht Änderungen vorgenommen werden müssen. Dadurch ergibt sich aber bei diesen Heilwässern auch die Notwendigkeit einer Modifikation der gesetzlichen Bestimmung wonach bei einem ortsgebundenen natürlichen Heilvorkommen solche Änderungen nicht vorgenommen werden dürfen. Die Möglichkeit der Nutzung dieser Thermalwässer für die Stromgewinnung und Wärmegewinnung eröffnet allerdings durchaus neue Perspektiven für die Kurbetriebe die durchaus auch aus gesundheitsdienlicher Sicht positiv interpretiert werden können. 

Eine, angesichts der internationalen Debatten über den Klimaschutzmaßnahmen aktuelle Thematik, bezieht sich auf die Orte und Regionen, die als Klimakurorte (Luftkurorte und heilklimatische Kurorte) den Anspruch erheben, dass dem Aufenthalt in diesen Bereichen eine besondere positive gesundheitsfördernde Bedeutung zukommt. Von aktueller Bedeutung sind EU-weite Bemühungen die Grenzwerte für bestimmte Luftschadstoffe in den Klimakurorten zu senken. Diese aus medizinischer Sicht positiv zu bewertenden Absichten könnten sich allerdings für manche Klimakurorte als problematisch erweisen.

Abschließend soll darauf hingewiesen, dass konkrete Pläne für die Herausgabe eines Tagungsbandes bestehen. Die Vorarbeiten dafür haben bereits begonnen. 

Adresse des Autors:
Ao.Univ. Prof. FH (Hon) Prof. Dr. W.Marktl
c/o GAMED Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin

 

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