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07. July 2020

Angst | Gefühlsstruktur

Wenn Angst krank macht – die ungesunde Seite der Angst
 


Wenn wir Angst empfinden, befürchten wir das Eintreten von möglichen schädlichen Konsequenzen. Der ausschlaggebende Reiz, welcher von unseren Sinnesorganen wahrgenommen wird, muss nicht unbedingt in der Realität vorhanden sein, es reicht meist schon seine bloße Vorstellung.

Dieses „Vorhersehen“ von Konsequenzen haben wir im Laufe unseres Lebens, meist bereits in unserer Kindheit, gelernt: Wir können beispielsweise andere dabei beobachtet haben, wie ihr Verhalten zu einer Konsequenz geführt hat, oder wir haben dies selber, auch in Form eines Traumas, erlebt. Es kann sein, dass wir von unseren Bezugspersonen dazu konditioniert wurden, Warnhinweise erhielten oder durch Belohnung bzw. Bestrafung gelernt haben.
Es handelt sich also kurz gesagt um unsere Lebenserfahrung. Gleichzeitig befassen sich aktuell viele Wissenschaftler mit der Epigenetik der Angst, der genetischen Weitergabe des Angstgefühls.
Das kann bedeuten, dass manche AngstpatientInnen bereits mit einer genetischen Veranlagung zur Welt gekommen sind. Dabei handelt es sich allerdings noch um ein sehr junges Forschungsgebiet, welches noch mehr Aufmerksamkeit und Arbeit bedarf.

Eine Bandbreite an Reaktionen
Wenn Angst krankmacht, bedeutet das für Betroffene meist massive Einschränkungen im täglichen Leben. Anstelle von Höchstleistungen, führt die Angst meist dazu, dass der Körper vor Schock und Anspannung in einen Lähmungszustand verfällt.

Bestimmt haben Sie schon einmal das Sprichwort gehört, dass „Angst uns lähmt“.
Betroffene werden handlungsunfähig, können keine klaren Gedanken mehr fassen, alles im Körper ist auf Flucht ausgerichtet, gleichzeitig scheint er dazu nicht im Stande zu sein. Die Angst übernimmt die Überhand im Körper und anders als bei der gesunden Seite der Angst verlässt diese die Betroffenen auch nicht wieder, sobald der Reiz verschwunden ist, sondern hält oft noch viel länger an. Der Körper kann dadurch schwieriger und erst später in einen Entspannungszustand zurückkehren, was einen dauerhaften Angstzustand bedeuten kann.

Erhöhter Blutdruck, Verdauungsprobleme und eine verstärkte Magensäurebildung können die Folge sein, aber auch Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen oder eine erhöhte Infektionsfähigkeit sind möglich. Neben körperlichen Reaktionen reagieren wir zusätzlich anhand unserer angeborenen Gefühlsstruktur. Dabei ist ausschlaggebend, wie und was wir im Umgang mit Risiken in unserem Leben gelernt haben.

So ergibt sich eine Vielzahl an möglichen Verhaltensmustern. Diese sind nicht immer stabil, sondern variieren je nach Situation.
Da viele Betroffene in einer „Angst-Situation“ auch mit Aggression/Angriff reagieren können, soll dieser Zusammenhang kurz erläutert werden:
Angst und Aggression verwenden in unserem Gehirn ähnliche Strukturen. Beide benötigen einen Reiz bzw. Auslöser um entstehen zu können. Aggression stellt ein biologisch fundiertes Verhaltensmuster bei Lebewesen dar und dient der Verteidigung und Gewinnung von Ressourcen bzw. zur Bewältigung potentiell gefährlicher Situationen. In diesem Fall kommt erneut das Warnsignal Angst zum Einsatz, welches dann entweder zur Flucht anregt oder eben dazu, in Verbindung mit Aggression, sich der Situation oder dem Problem zu stellen und „auf Angriff zu gehen“.

Aggression kann ebenfalls entstehen, wenn wir unsere Ängste nicht ausleben können, sei es, weil wir von außen vermittelt bekommen haben, keine Angst haben zu dürfen, weil es peinlich, unmännlich oder ungerechtfertigt ist bekommen. Auch soziale Zurückweisungen und Kränkungen lassen Menschen daher mit Aggression reagieren.
Da Aggression in unserer Gesellschaft mittlerweile jedoch noch stärker tabuisiert wird als Angst, kann es bei langjähriger Unterdrückung selbiger passieren, dass der menschliche Körper aus einer Hilflosigkeit heraus in eine Art Lähmung verfällt, die ihn handlungsunfähig macht. So können Depressionen entstehen.


GAMED Seminar: 18.- 19. September 2020
„Angst? Reden wir darüber und finden wir gemeinsam Lösungen!“
Mag. Madja Moser
https://www.gamed.or.at/de/Veranstaltungen/345




www.majda-moser.com
www.club-wir.at
https://www.facultas.at/list?back=bf956820b7f43bf501f10f28c036e23b&xid=33796798

Podcastfolge zum Thema Angst: https://podcasts.google.com/feed/aHR0cHM6Ly9mZWVkcy5zaW1wbGVjYXN0LmNvbS9abjZ2OGl5Tw/episode/ZWFkNDQxOTEtMmQzNC00MzQxLWExNjUtNjA3YThlMjg3ODRk?hl=de-AT&ep=6

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