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03. September 2019

Salutogenese | Wie entsteht Gesundheit? | Gesunderhaltung | GAMED Kongress | Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem

Paradigmenwechsel – von der Pathogenese zu Salutogenese
(Vom fragmentierten zum ganzheitlichen Denken und Handeln)
 

Derzeit vollzieht sich ein langsamer Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem, von der Entstehung und Entwicklung der Krankheit hin zur Erhaltung der Gesundheit.
Die ganzheitliche Denkweise spielt hier eine wichtige Rolle und ist Ausdruck eines Weltbildes, das den Menschen wieder als Einheit zwischen Körper, Geist und Seele in seiner Umwelt sieht und ihn in seiner Beziehung zur Natur wiederherstellt.

Bereits in den 1980er Jahren hat der USamerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923 – 1994) den Begriff der Salutogenese geprägt. Wie entsteht Gesundheit und was hält mich gesund? Ganz im Gegensatz zum pathogenetischen Ansatz.
„Die Erforschung der Krankheiten hat so große Fortschritte gemacht, dass es immer schwerer wird, einen Menschen zu finden, der völlig gesund ist.“ Dieses vom britischen Schriftsteller Aldous Leonard Huxley stammende Zitat hat heute wohl mehr Gültigkeit denn je. Es stellt sich hier die Frage, wie bleibt man gesund oder, wie können sich Menschen gesund entwickeln?

Die Definition von Gesundheit der WHO 1948: „Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung.“

Salutogenese als Wissenschaft der Entstehung von Gesundheit und Pathogenese als Wissenschaft der Entstehung von Krankheit ergänzen sich, der Blickwinkel der Fragenden ist jedoch ganz ein anderer. Mit der Pathogenese im Blickfeld kommen die Krankheit sowie weitere Gefahren in den Fokus – eine Defizitorientierung. Ressourcenorientiertheit steht jedoch in der Salutogenese im Fokus – der Blick ist auf persönliche Gesundheitsziele gerichtet.

Der Patient muss Verantwortung übernehmen Gesundheit ist ein dynamischer Prozess – vor diesem Hintergrund spielt Empowerment eine wesentliche Rolle, um alltäglich und lebenslang einen guten Zugang zu seinen vorhandenen Ressourcen herstellen zu können. Von zentraler Bedeutung ist es, Menschen ihre Selbstverantwortung für ihre eigene Gesundheit bewusst zu machen.

Hier kommt nun das Kernstück von Antonovskys Modell – das Kohärenzgefühl (SOC – „Sense of Coherence“) in den Fokus. „Was hält den Menschen nun gesund?“ – SOC beschreibt es treffend, es geht um
* Verstehbarkeit,
* Handhabbarkeit/Machbarkeit und
* Sinnhaftigkeit/Bedeutsamkeit der eigenen gesundheitsbezogenen Situation.
 
Diese drei Komponenten bilden das Herzstück der Salutogenese.

1. Die Komponente der Verstehbarkeit („Sense of Comprehensibility“) wird durch die Erfahrung der Beständigkeit gestärkt. Sie bezeichnet die Fähigkeit, alltägliche Konfrontation von äußeren und inneren Stimuli sinnvoll wahrzunehmen und kognitiv als klare, geordnete Informationen zu verstehen. Diese kognitive Verarbeitung solcher Einflüsse führt dazu, dass Individuen mit hohem Kohärenzgefühl auch unvorhergesehene Ereignisse einzuordnen wissen. Die Verstehbarkeit ist in der Regel Voraussetzung für eine beständige Handhabbarkeit. Es handelt sich hierbei um die kognitive Komponente.
(Vgl. [2, 3, 4])

2. Das Gefühl der Handhabbarkeit/Machbarkeit („Sense of Manageability“) entsteht durch die Erfahrung und bezieht sich auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen, um mit den Anforderungen, die einem das Leben täglich stellt, zurecht zu kommen. Hierbei handelt es sich um die instrumentelle Komponente.

3. Die wichtigste Komponente ist die der Sinnhaftigkeit/Bedeutsamkeit („Sense of Meaningfulness“). Hier geht es darum, den Sinn im Leben zu sehen. Die Anforderungen sowie auftretenden Probleme des Lebens als solche zu identifizieren, für die es sich lohnt Energie zu investieren. Die Sinnhaftigkeit stellt das motivationale Moment dar. (Vgl. [4])
Antonovsky beschreibt „sein“ Kohärenzgefühl wie folgt: „Das SOC (Kohärenzgefühl) ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß man ein durchdringendes, andauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass

1. die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind,
2. einem die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen, die diese Stimuli stellen, zu begegnen,
3. diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement
lohnen.“ [1]

Fazit
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die Gesundheitswissenschaft mit dem Gegenstand Gesundheit und Gesundsein befasst. Sie untersucht die Anwesenheit oder Abwesenheit von Stressoren, die Wirkung vorhandener Ressourcen, den Einfluss von Schutzfaktoren sowie möglicher Bewältigungsstrategien. Das Modell der Salutogenese von Antonovsky kann als integrierendes Modell zur Erklärung der verschiedenen Zusammenhänge diskutiert werden.
Dies findet sowohl in dem traditionellen Medizinsystem, als auch in der Naturheilkunde und den heutigen komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden ihren Widerhall.
„Die wirksamste Medizin ist die natürliche Heilkraft, die im Inneren eines jeden von uns liegt.“
Hippokrates von Kos (460 – 377 v. Chr.)

Autor:
MedR Dr. Gerhard Hubmann

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema->
Ganzheitsmedizinischer Kongress 2019:
Salutogenese - Wege zur Gesundheit
www.salutogenese-kongress.com

Bei diesem Konzept stehen nicht krankheitsfördernde Faktoren im Vordergrund, sondern alle jene Umstände und Bedingungen die Gesundheit ermöglichen und erhalten.
Diese faszinierende Thematik wird Gegenstand des internationalen Kongresses der GAMED im Jahr 2019 sein. Wie entsteht Gesundheit und was hält den Menschen nun gesund sind zentrale Fragen, die bei dieser 2-tägigen Veranstaltung thematisiert werden.

Ehrenschutz:
Peter Hacker - Amtsführender Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport
Wissenschaftliche Leitung:
Ao. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang MARKTL
Dr.  med. Gerhard Hubmann
DFP : 14 DFP Punkte in Approbation


Quellen:
1] Antonovsky, Aaron, Salutogenese. Zur Entmystifizierung
der Gesundheit, Dt. erw. Hrsg. Von Alexa
Franke, Tübingen 1997, S.36.
2] Mertens, Gerhard, Balancen. Pädagogik und
das Streben nach Glück, Paderborn 2008, S.48.
3] Höfer, Renate, Jugend, Gesundheit und Identität.
Studien zum Kohärenzgefühl. Opladen 2000,
S.84.
4] Blättner Beate und Wallner Heiko, Gesundheitswissenschaften.
Eine Einführung in Grundlagen,
Theorie und Anwendung, Verlag W. Kohlhammer
2011, S.18ff.

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