Begriffe und Methoden

Sauerstofftherapie

Die Sauerstofftherapie umfasst verschiedene Verfahren, bei denen Sauerstoff oder Sauerstoffverbindungen zur Unterstützung physiologischer Prozesse und zur Behandlung bestimmter Beschwerden eingesetzt werden.

Sauerstoff ist eine wesentliche Grundlage für höher entwickeltes Leben. Eine unzureichende Sauerstoffversorgung bestimmter Gewebebereiche kann unterschiedliche Störungen verursachen, die von Muskelkater bis hin zu einem Schlaganfall reichen. Die Verbesserung der Sauerstoffaufnahme und der Sauerstoffverwertung im Gewebe bildet daher die Grundlage verschiedener therapeutischer Konzepte.

Zu den Sauerstofftherapien zählen die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach Manfred von Ardenne, die ionisierte Sauerstoff-Intensivtherapie, die Ozon-Sauerstofftherapie und die hämatogene Oxidationstherapie (HOT). Die Verfahren unterscheiden sich in ihrer Durchführung und den zugrunde liegenden Wirkungsansätzen. Insbesondere bei der Ozontherapie werden die theoretischen Grundlagen, die technische Durchführung und das Nebenwirkungsprofil der verschiedenen Methoden teilweise kontrovers diskutiert.

Geschichte

Die Entwicklung der Ozon-Sauerstofftherapie reicht bis ins frühe 20. Jahrhundert zurück. 1915 veröffentlichte A. Wolff eine Arbeit über die desinfizierende Wirkung von Ozon bei der Wundbehandlung. 1935 setzte Payr Sauerstoff-Ozon-Gemische in der Chirurgie zur Desinfektion und zur Förderung der Wundheilung ein. Mit der Verbesserung der technischen Voraussetzungen zur Herstellung von reinem Ozon fand die Methode ab 1958 weitere Verbreitung.

Die ionisierte Sauerstoff-Intensivtherapie wurde 1981 von Ivan Engler als Regulationstherapie begründet.

Die hämatogene Oxidationstherapie (HOT) entwickelte sich aus ersten Ansätzen in den 1930er-Jahren und wurde 1956 vom Schweizer Arzt Dr. Wehrli vorgestellt.

Methoden und Anwendung

1. Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach Manfred von Ardenne

Bei dieser Methode wird die Inhalation von nahezu reinem Sauerstoff mit einer vorbereitenden Gabe von Vitaminen und Mineralstoffen sowie leichter gymnastischer Betätigung kombiniert.

Als Anwendungsgebiete werden insbesondere die Behandlung älterer Menschen bei eingeschränkter Sauerstoffverwertung, die Unterstützung bei Krebsbehandlungen, die Wundheilung, vegetative Beschwerden und Durchblutungsstörungen genannt. In Österreich ist diese Therapierichtung nicht durch eine eigene Gesellschaft vertreten.

2. Ionisierte Sauerstoff-Intensivtherapie

Die 1981 von Ivan Engler entwickelte Regulationstherapie umfasst die Anwendung einer Mischung aus medizinischem Sauerstoff und wahlweise positiv oder negativ geladenen Sauerstoffionen. Die Verabreichung erfolgt durch Inhalation, Insufflation oder Instillation. Weitere Anwendungsmöglichkeiten sind das Besprühen, Bäder oder Trinkkuren mit ionisiertem Wasser.

Als Anwendungsgebiete werden neben Durchblutungsstörungen insbesondere Allergien, Belastungen durch freie Radikale und Regulationsstörungen angeführt.

3. Ozon-Sauerstofftherapie

Die Ozon-Sauerstofftherapie verwendet Gemische aus medizinischem Sauerstoff und Ozon. Die Wirkung ist konzentrationsabhängig und wird unter anderem mit keimtötenden und inaktivierenden Eigenschaften sowie mit einem Einfluss auf den Sauerstoffstoffwechsel beschrieben. Die verwendeten Konzentrationen liegen zwischen 1 und 100 Mikrogramm pro Milliliter.

Die Anwendung erfolgt äußerlich, beispielsweise durch die Begasung von Wunden, oder innerlich. Zu den beschriebenen Verfahren zählen die große und die kleine Eigenblutbehandlung sowie die intraarterielle, intramuskuläre und weitere Applikationsformen.

4. Hämatogene Oxidationstherapie (HOT)

Bei der hämatogenen Oxidationstherapie wird entnommenes Blut mit medizinischem Sauerstoff aufgeschäumt und anschließend mit UV-C-Licht bestrahlt. Dabei entsteht nach dem zugrunde liegenden Konzept auch ein geringer Anteil an Ozon. Die Anwender führen die Wirkung vor allem auf den entstehenden Singulett-Sauerstoff und den physikalisch im Blut gelösten Sauerstoff zurück.

Als angestrebte Wirkungen werden eine Verbesserung des Stoffwechsels, eine Senkung der Blutfette und eine Stärkung des Immunsystems genannt.

Indikationen

Ein wesentlicher Anwendungsbereich der Sauerstoff-Ozontherapie sind Durchblutungsstörungen und die daraus resultierenden Sauerstoffmangelzustände mit ihren Folgeerkrankungen. Dazu zählen insbesondere Anwendungsbereiche der Geriatrie, da verschiedene Alterserkrankungen mit einer verminderten Sauerstoffversorgung und einem Energiedefizit in Verbindung gebracht werden.

Weitere genannte Anwendungsgebiete sind Geschwüre, Gangrän, Verbrennungen, Wundheilungsstörungen und infizierte Wunden. Bei rheumatischen Erkrankungen und Beschwerden des Bewegungsapparates wird Ozon eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. Auch bei Darmerkrankungen, chronischen Blasenbeschwerden und schwer zugänglichen Fisteln wird die Anwendung beschrieben. Darüber hinaus wird der Einsatz bei viralen Lebererkrankungen angeführt.

Bei der großen Eigenblutbehandlung wird Blut mithilfe einer Unterdruckflasche entnommen, mit einer dem Dosierungsschema entsprechenden Menge eines Ozon-Sauerstoff-Gemisches versetzt und anschließend langsam reinfundiert. Bei der kleinen Eigenblutbehandlung wird entsprechend aufbereitetes Blut intramuskulär verabreicht. Bei peripheren Durchblutungsstörungen kann ein Ozon-Sauerstoff-Gemisch unter entsprechenden fachlichen Voraussetzungen auch intraarteriell angewendet werden.

Aufgrund seiner bakteriziden, viruziden und fungiziden Eigenschaften wird Ozon auch äußerlich eingesetzt, beispielsweise mittels Beutelbegasung, Saugglocke oder Unterdruckstiefel bei Unterschenkelgeschwüren und infizierten Wunden. Bei schwer zugänglichen Fisteln sowie chronischen Blasen- und Darmerkrankungen kann die Anwendung durch Insufflation erfolgen.