Begriffe und Methoden

Homöopathie

Homöopathie ist ein komplementärmedizinisches Medizinsystem, das auf dem Ähnlichkeitsprinzip beruht und potenzierte Arzneimittel zur individuell abgestimmten Behandlung einsetzt.

Die Homöopathie basiert auf dem Ähnlichkeitsgesetz, das durch den lateinischen Leitsatz Similia similibus curentur – „Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden“ – ausgedrückt wird. Nach diesem Prinzip wird ein homöopathisches Arzneimittel ausgewählt, dessen Symptomenbild möglichst gut mit den Beschwerden der erkrankten Person übereinstimmt.

Eine zentrale Grundlage bildet die Arzneimittelprüfung, bei der homöopathische Arzneimittel gesunden Personen verabreicht werden, um die dabei auftretenden Symptome zu erfassen. Gemeinsam mit Erkenntnissen aus der Toxikologie und Erfahrungen aus der praktischen Anwendung bilden diese Symptome das sogenannte Arzneimittelbild.

Homöopathische Arzneimittel stammen vorwiegend aus dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich. Sie werden durch einen Prozess der Potenzierung hergestellt, bei dem Ausgangsstoffe schrittweise verdünnt und verschüttelt werden. Dieser Vorgang wird auch als Dynamisierung bezeichnet. Die Herstellung erfolgt nach den jeweiligen Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs (Europäische Pharmakopöe) beziehungsweise des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB).

Grundsätzlich wird zwischen individualisierter, klassischer Homöopathie und nicht-individualisierter, klinischer Homöopathie unterschieden. Die beiden Ansätze unterscheiden sich insbesondere in der Auswahl und Verordnung der Arzneimittel.

Geschichte

Die Homöopathie wurde Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts vom deutschen Arzt Dr. Samuel Hahnemann (1755–1843) begründet. Er entwickelte das Ähnlichkeitsprinzip als Grundlage seines medizinischen Systems und etablierte die Arzneimittelprüfung an gesunden Personen als wesentlichen Bestandteil der homöopathischen Methode. Die dabei gesammelten Symptome wurden zu Arzneimittelbildern zusammengefasst, die später zur Auswahl eines Präparats herangezogen werden.

Methoden und Anwendung

Individualisierte, klassische Homöopathie (Einzelmittelhomöopathie)

Die klassische Homöopathie verfolgt einen individualisierten Behandlungsansatz, bei dem für die jeweilige Patientin oder den jeweiligen Patienten ein einzelnes Arzneimittel ausgewählt wird. Grundlage dafür ist eine ausführliche Anamnese, in der die Beschwerden und ihre individuelle Ausprägung erfasst werden.

Anamnese, Diagnostik und Therapie

Neben körperlichen Symptomen werden auch das seelische und geistige Befinden sowie konstitutionelle, biografische, soziale und umweltbedingte Faktoren in die Anamnese einbezogen. Innerhalb der klassischen Homöopathie gilt eine alleinige konventionell-medizinische Diagnose nicht als ausreichend, um ein Arzneimittel auszuwählen. Entscheidend ist vielmehr das individuelle Symptomenbild. So können beispielsweise drei Personen mit derselben Diagnose, etwa Asthma bronchiale, nach homöopathischen Kriterien unterschiedliche Arzneimittel erhalten.

Für die Auswahl wird die erhobene Symptomatik mit dem Arzneimittelbild verglichen. Dieses beruht auf drei Informationsquellen:

  • Arzneimittelprüfungen: Dabei werden Symptome erfasst, die bei gesunden Personen nach der Einnahme eines zu prüfenden Arzneimittels auftreten.
  • Toxikologische Erkenntnisse: Berücksichtigt werden Symptome, die im Zusammenhang mit Vergiftungen durch bestimmte Substanzen beobachtet wurden.
  • Erfahrungen aus der praktischen Anwendung: Dazu zählen Symptome, die nach homöopathischem Verständnis bei erkrankten Personen im Verlauf einer Behandlung zurückgegangen sind.

Das Arzneimittel, dessen Symptomenbild die individuellen Beschwerden am besten widerspiegelt, wird als Simile bezeichnet.

Im integrativmedizinischen Ansatz werden zusätzlich die konventionell-medizinische Diagnose und die Ergebnisse der klinischen Untersuchung berücksichtigt. Je nach Situation können weiterführende diagnostische Untersuchungen notwendig sein, um die Anamnese zu ergänzen.

In der klassischen Homöopathie wird grundsätzlich ein einzelnes Arzneimittel verordnet. Die gleichzeitige Anwendung mehrerer Arzneimittel in Form eines Komplexmittels gehört nicht zu diesem Ansatz.

Nicht-individualisierte, klinische Homöopathie (Komplexmittelhomöopathie)

Bei der klinischen Homöopathie werden Arzneimittel anhand bestimmter Indikationen ausgewählt. Im Unterschied zur klassischen Homöopathie orientiert sich die Auswahl stärker an der jeweiligen Erkrankung oder an bestimmten Beschwerden und weniger an der Gesamtheit der individuellen Symptome.

Eine besondere Form ist die Komplexmittelhomöopathie. Dabei werden mehrere homöopathische Arzneimittel in einem Präparat kombiniert. Diese Komplexmittel werden indikationsbezogen oder organotrop angewendet, das heißt, ihre Auswahl richtet sich nach bestimmten Beschwerden, Krankheitsbildern oder Organsystemen. Die verwendeten potenzierten Arzneimittel werden ebenfalls nach den Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs beziehungsweise des Homöopathischen Arzneibuchs hergestellt.

Indikationen

Nach dem homöopathischen Verständnis können grundsätzlich akute und chronische Erkrankungen behandelt werden. Die Auswahl des jeweiligen Behandlungsansatzes richtet sich nach dessen Grundprinzipien: In der klassischen Homöopathie steht die individuelle Symptomatik im Vordergrund, während sich die klinische Homöopathie stärker an bestimmten Krankheitsbildern orientiert.

Die Homöopathie wird in diesem Zusammenhang als Regulationstherapie verstanden. Nach diesem Konzept sollen Erkrankungen behandelt werden können, sofern sie Anteile aufweisen, die einer Regulation zugänglich sind. Die Behandlung soll dabei die Besonderheiten des einzelnen Menschen berücksichtigen und kann im integrativmedizinischen Rahmen mit konventionell-medizinischen Maßnahmen kombiniert werden.

Die beschriebenen Indikationen und Wirkprinzipien geben das homöopathische Behandlungskonzept wieder und sind nicht als wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit zu verstehen. Eine notwendige konventionelle Diagnostik oder medizinische Behandlung sollte durch eine homöopathische Behandlung nicht ersetzt oder verzögert werden.

Vertiefung

Literatur & Quellen

  1. Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM)