Begriffe und Methoden
Erfahrungsheilkunde
Erfahrungsheilkunde umfasst vielfältige Diagnose- und Therapieverfahren sowie umfassende Konzepte von Gesundheit und Krankheit, die vor allem auf Erfahrungen aus der praktischen Anwendung beruhen.
Die Erfahrungsheilkunde umfasst eine große und qualitativ sehr heterogene Reihe von Techniken. Dazu gehören eine Vielzahl individueller Diagnose- und Therapieverfahren sowie systematische und umfassende Konzepte von Gesundheit und Krankheit. Je nach Bedeutungsnuance wird sie auch als Komplementärmedizin, alternative Medizin, praktische Medizin, Naturheilkunde oder biologische Medizin bezeichnet.
Gemeinsam ist diesen verschiedenen Bezeichnungen, dass die entsprechenden Verfahren von der konventionellen Medizin ausgeschlossen sind und in der universitären Lehre und Forschung nur in geringem Maße vertreten werden.
Geschichte
Einige erfahrungsmedizinische Verfahren haben sich innerhalb traditioneller örtlicher Volksmedizin entwickelt oder sind fest im kulturellen Kontext bestimmter ethnischer Gruppen vergangener Zeiten oder entfernter Regionen verwurzelt.
Große Teile der Volksmedizin, beispielsweise die Kräutermedizin und Hausmittel, gehören zur Erfahrungsheilkunde. Bis zur Entwicklung moderner, industriell gefertigter Heilmittel waren erfahrungsheilkundliche Methoden für Ärzte alltäglich, da sie häufig zu den wenigen verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten gehörten. Erfahrungsheilkundliche Schulen bewahren dadurch teilweise medizinisches Wissen, das an den Universitäten verloren gehen würde.
Methode und Anwendung
Ein wesentliches Merkmal der Erfahrungsheilkunde ist, dass der aus der Alltagspraxis gewonnene Erfahrungsbericht im Zentrum steht. Die verschiedenen Verfahren beruhen somit in wesentlichem Maß auf Erfahrungen, die über lange Zeiträume gesammelt und weitergegeben wurden.
Zahlreiche erfahrungsmedizinische Verfahren verfügen über eigene Nosologien und Taxonomien, die sich teilweise deutlich von denjenigen der konventionellen Medizin unterscheiden. Die Erfahrungsheilkunde arbeitet zum Teil mit vornaturwissenschaftlichen Prinzipien, beispielsweise mit dem Simileprinzip der Homöopathie.
Die daraus abgeleiteten Begriffe und Modelle tragen der Schwierigkeit Rechnung, komplexe Vorgänge vollständig durch linear-kausalanalytische Schemata zu erfassen. Insbesondere die Medizinsysteme des asiatischen Kulturkreises haben die Beschreibung komplexer Abläufe in ihre Modelle einbezogen.
Wirkverständnis
Die Wirkungsweisen der Erfahrungsheilkunde entziehen sich häufig kausalanalytischen Erklärungsmodellen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die entwickelten Modelle keinen umfangreichen Erfahrungsschatz oder keine Komplexität aufweisen. Als Beispiel wird das über Jahrhunderte tradierte Wissen der tibetischen Medizin genannt.
Gleichzeitig besitzen die aus der Erfahrung entwickelten Methoden im Rahmen einer auf linearer Kausalanalyse beruhenden Medizin häufig nur eine geringe Wirk- und Erklärungskraft. Damit unterscheiden sich die jeweiligen Modelle sowohl in ihrer Herangehensweise als auch in der Art, wie gesundheitliche Vorgänge beschrieben und erklärt werden.
Vertiefung
