Begriffe und Methoden
Akupunktur
Akupunktur ist eine Behandlungsmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin, bei der gezielt bestimmte Akupunkturpunkte durch Nadeln oder andere Reize stimuliert werden.
Akupunktur hat ihre Wurzeln in China und ist eine Behandlungsform aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dabei werden spezielle, heute fast ausschließlich sterile Einmalnadeln aus Stahl in genau definierte Punkte der Haut gestochen. Diese Akupunkturpunkte liegen entlang sogenannter Meridiane. Ziel der Behandlung ist es, den Körper in ein dynamisches Gleichgewicht zu bringen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird dabei von einem Gleichgewicht zwischen Yin und Yang gesprochen.
Die Auswahl der Akupunkturpunkte richtet sich nach der jeweiligen Diagnose. Die Nadeln verbleiben etwa 15–30 Minuten an der Stichstelle und die Behandlung wird abhängig von der Diagnose in mehrtägigen Abständen wiederholt. Unter dem Begriff Akupunktur werden neben der klassischen Nadelung auch weitere Reizmethoden zusammengefasst.
Geschichte
Die ersten Pioniere der Akupunktur wurden in Österreich in den 1950er Jahren tätig. 1954 wurde die erste Gesellschaft für Akupunktur gegründet und in Wien wurden erste Akupunkturkurse abgehalten. 1958 nahm an der Wiener Poliklinik ein Ambulanzbetrieb seinen Anfang.
Unter J. Bischko entwickelte sich in Österreich die sogenannte „Wiener Schule der Akupunktur“. Nach der Öffnung Chinas in den 1970er Jahren gewann auch der traditionelle medizinphilosophische Hintergrund wieder stärker an Bedeutung. 1986 wurde die Akupunktur vom Obersten Sanitätsrat als Heilmethode für einige Indikationen anerkannt. Seit 1991 wurden die Ausbildungsinhalte der Gesellschaften angeglichen und ein definierter Ausbildungsinhalt festgelegt.
Methode und Anwendung
Die Wirkung der Akupunktur wird unter anderem nervös-reflektorisch, humoral-endokrin, durchblutungsfördernd, muskelentspannend und immunmodulierend beschrieben. Die gesetzten Impulse können auf verschiedene Ebenen des Zentralnervensystems wirken und dadurch die Schmerzverarbeitung und Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Außerdem können vermehrt Substanzen wie Endorphin und ACTH freigesetzt werden, die schmerzlindernd, psychisch regulierend und abwehrsteigernd wirken.
Die Akupunktur kann eine Entspannung der Muskulatur bewirken, nicht nur am Ort des Nadelstichs, sondern auch in einem davon entfernten Zielgebiet. Außerdem wird eine Verbesserung und Stärkung der körpereigenen Abwehr beschrieben.
Neben der klassischen Körperakupunktur bestehen verschiedene weitere Formen. Bei der Körperakupunktur werden dünne Nadeln in genau definierte Punkte am Körper gestochen. Bei der Akupunktur an Somatotopien werden Körperzonen genutzt, auf denen sich der gesamte Körper widerspiegelt. Dazu zählen beispielsweise Ohr-, Schädel-, Mund- und Handakupunktur.
Weitere Anwendungsformen sind die Pharmapunktur, bei der geringe Mengen eines Pharmakons in einen Akupunkturpunkt injiziert werden, sowie Dauernadeln, die mehrere Tage im Ohr belassen werden. Bei der Lasertherapie werden die Nadeln durch ein Lasergerät ersetzt. Bei der Elektrostimulation wird eine eingestochene Nadel mit einem Stimulationsgerät verbunden und mit einem minimalen elektrischen Strom gereizt. Bei der transkutanen Nervenstimulation werden Oberflächenelektroden auf Akupunkturpunkte geklebt und elektrisch stimuliert.
Weitere Verfahren sind die Moxibustion, bei der Akupunkturpunkte mit Wärme gereizt werden, die Schröpfkopftherapie sowie Akupressur und Traditionelle Chinesische Massage.
Indikationen
Akupunktur wird insbesondere bei gestörten Funktionen eingesetzt. Die Erfolge werden als umso geringer beschrieben, je mehr Strukturen zerstört sind. Zu den genannten Anwendungsgebieten gehören unter anderem Erkrankungen des Bewegungsapparates, Kopfschmerzen und Migräne, Nasen- und Nebenhöhlenentzündungen, Allergien, Schwindel, Trigeminusneuralgie, Asthma, funktionelle Herzbeschwerden, Blutdruckschwankungen und Durchblutungsstörungen.
Weitere genannte Bereiche sind Krampfaderbeschwerden, Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Schwangerschaftserbrechen, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Reizblase, Bettnässen, Menstruations- und klimakterische Beschwerden, Beschwerden der Prostata, Sterilitäts- und Potenzstörungen, Gürtelrose, Ekzeme und Neurodermitis.
Auch bei Neuralgien, Gesichtsnervenlähmung, Zuständen nach Schlaganfall und Phantomschmerzen wird Akupunktur als Anwendungsbereich genannt.
Vor jeder Akupunkturtherapie muss eine eindeutige schulmedizinische Diagnose vorliegen. Akupunktur wird als wertvolle Ergänzung, jedoch nicht als Ersatz für die schulmedizinische Diagnostik beschrieben.
Vertiefung
